Hicycle Studio in Hamburg
© Hicycle Hamburg

Bis zu 700 kcal in 45 Minuten: Hicycle im Test

Dass sie sich noch mal freiwillig auf ein Indoor-Bike setzt, hätte Nicole Benke nicht gedacht. Doch dann entdeckte sie Disco-Spinning. Ein Erfahrungsbericht.

Mit dem Thema Spinning war ich eigentlich durch. Daran ist eine weniger schöne Erfahrung in einem überfüllten und stickigen Raum vor einigen Jahren Schuld. Der Spinning-Kurs, den ich damals besuchte, war monoton und langweilig. Einmal und nie wieder. Auch mit klassischen Fitnessstudios möchte ich eigentlich nichts mehr zu tun haben. Jahresmitgliedschaften nehmen mir irgendwie die Luft zum Atmen. Ich will flexibel sein und frei entscheiden, wann ich wo trainiere – und wann eben nicht mehr. Eine zahlende Karteileiche war ich schon oft genug.

Endlich: neue Studios mit neuen Konzepten

Umso mehr freue ich mich darüber, dass auch bei uns nach und nach kleine, meist auf eine Sportart spezialisierte Studios eröffnen, die genau das berücksichtigen. Hier buchst du dich pro Stunde ein und musst dir keine Gedanken um Kündigungsfristen machen. Außerdem zahlst du nicht für Zeiten, in denen du nicht in der Stadt bist. Oder einfach keine Lust mehr auf ein Training hast. Das ist zwar in der Regel pro Stunde etwas teurer, dafür bleibt man flexibel. Und kann so auch mal unterschiedliche Sportarten über eine längere Zeit austesten, ohne sich gleich zu verpflichten. Einige der Studios greifen außerdem den in den USA schon länger existierenden Trend auf, Workouts in Clubatmosphäre zu absolvieren. Also in einem relativ dunklen Raum mit Discobeleuchtung und lauten Beats. Ziel: Abschalten und Auspowern mit Spaß!

Klassisches Spinning ist doch meist sehr verbissen und statisch. Bei uns tanzt du zur Musik auf dem Bike! Blickt man in den Spiegel und sieht die Gruppe, wie sich alle im gleichen Takt zur Musik bewegen – das hat schon etwas Magisches und einen psychologischen und motivierenden Effekt.

Michaela Cordes, Hicycle-Gründerin

Kopf aus, Musik an: Schwitzen unter der Discokugel

So wie Hicycle in meiner Heimatstadt Hamburg. Ein Studio, das sich auf Cycling-Kurse spezialisiert hat. „Cardio Party on a Bike“, las ich auf einem Flyer. Außerdem von einem Suchtfaktor und bis zu 700 verbrannten Kalorien pro Einheit. Das klingt ja erstmal nicht schlecht. Und da ich in Sachen Fitness momentan gern Neues ausprobiere, testete ich das Workout kurzerhand mit einer Freundin. Was soll ich sagen: Wir waren beide begeistert und steigen seitdem regelmäßig einmal pro Woche und ergänzend zu unserem jeweiligen Sportprogramm aufs Rad. Warum? Weil es irre anstrengend ist und richtig Spaß macht.

Die laute Musik motiviert (jeder Trainer hat eine andere Playlist), das Gemeinschaftsgefühl, das man im Raum hat, ebenfalls. Ich schalte komplett den Kopf aus und die Zeit vergeht wie im Flug. Gerade nach einem stressigen Arbeitstag ist das ein tolles Gefühl. Und genau das wollte Hicycle-Gründerin Michaela Cordes mit ihrem Studio erreichen. „Bei diesem Workout kann man einfach mal alles rauslassen“, sagt sie. „Klassisches Spinning ist doch meist sehr verbissen und statisch. Bei uns tanzt du zur Musik auf dem Bike! Blickt man in den Spiegel und sieht die Gruppe, wie sich alle im gleichen Takt zur Musik bewegen – das hat schon etwas Magisches und einen psychologischen und motivierenden Effekt.“ Trotzdem fühlt man sich nie wie auf dem Präsentierteller. Denn die Dunkelheit bietet immer noch ausreichend Anonymität.

Effektives Ganzkörpertraining auf dem Rad

Und effektiv ist das Ganze auch. Im Gegensatz zum klassischen Spinning wird bei diesem Cycling der gesamte Körper trainiert: Eine Session (45 Minuten) besteht aus intensiven HIIT-Einheiten, die Beine, Ausdauer und das Herz-Kreislauf-System stärken. Die meiste Zeit wird im Stehen gefahren, die Füße sind in Cycling-Schuhen in den Pedalen eingeklickt. Das macht das Training intensiver, schont die Gelenke, verbessert die Übertragung – und fördert so leane Muskeln. Dazu kommt ein Hanteltraining sowie Push Ups & Co. für Arme und Oberkörper. Auch diese Übungen werden alle auf dem Rad ausgeführt. Je nach Intensität, die man über den Widerstandsregler am Fahrrad selbst bestimmt, verbrennt man so zwischen 250 und 700 Kilokalorien in 45 Minuten. „Den Schwierigkeitsgrad hat jeder selbst in der Hand“, erklärt Michaela Cordes. „Die Trainer motivieren natürlich – aber das Thema Selbstbestimmung ist uns nun mal wichtig. Auch, was die Intensität angeht. Jeder fordert sich selbst heraus.“

Meine Erfahrung: Selbst als Cycling-Anfänger kommt man super mit und stößt an seine Grenzen, ohne überfordert zu sein. Die letzten Male hatte ich meine Forerunner dabei und habe versucht, im schummrigen Licht ab und an mal einen Blick auf meinen Puls zu werfen. Gerade die Sprints und auch das Hanteltraining pushen die Herzfrequenz ordentlich hoch. Von Mal zu Mal drehe ich jetzt den Widerstand noch etwas höher. #BeatYesterday halt. Und nach jedem Training gehe ich ein klein wenig zufriedener nach Hause.

Mein Fazit


Ein intensives und dennoch gelenkschonendes Full-Body-Workout mit hohem Spaß- und Suchtfaktor, das auch für Einsteiger geeignet ist. Toll für alle, die nicht gern allein und stur an Geräten trainieren mögen, die Musik und Bewegung lieben und sich richtig auspowern wollen. Super auch, wenn du dein Trainingspensum (phasenweise) erhöhen möchtest - zum Beispiel um gezielt kleine Sünden auszugleichen oder weil du für ein Event oder Outfit in Form kommen möchtest. Denn da es keine Mitgliedschaften gibt, kannst du Einheiten spontan buchen, wann immer du sie brauchst.

Studios


Wenn du auch mal eine Runde auf dem Bike feiern willst: Unsere Autorin trainiert bei Hicycle in Hamburg. Alle Infos findest du auf www.hicycle.de. Demnächst werden dort mit sogenannten „Competition Rides“ auch spezielle Watt-Trainings für Triathleten und Rennfahrer angeboten. Ein Studio mit einem ähnlichen Konzept gibt es in Berlin: Auch bei Becycle kannst du die Cycling-Kurse zu Disco-Musik ausprobieren. Viel Spaß!

Über Nicole Benke


Nicole Benke (37) liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?