Cheerleading: Viel mehr als Pompons, Tanz und kurze Röcke!

Timo ist Cheerleader aus Passion! Was wirklich hinter dem Sport steckt und warum es sich lohnt, öfter Neues auszuprobieren, erfährst du von unserem Gastautor Julian Klute.

Ich will ehrlich sein. Als Timo mir davon erzählte, dass er Cheerleading macht, musste ich schmunzeln. Nein! Das war nicht ehrlich. Als mir Timo davon erzählte, dass er Cheerleading macht, musste ich lachen.

Timo ist 21 Jahre alt, durchtrainiert, ca. 2m groß und hat ein mindestens genauso breites Kreuz. Die Vorstellung, dass er mit einer Reihe von Mädels mit „Wuscheln“ und kurzen Röckchen einem Football-Team zujubelt, war einfach zu amüsant. Zu diesem Zeitpunkt gingen meine Assoziationen zum Cheerleading allerdings nicht über die klassischen US-High-School-Klischees hinaus. Leider, denn wie sich im Gespräch mit Timo herausstellt, ist Cheerleading viel mehr als nur ein bisschen Getanze.

Das Erste, was ich von Timo übers Cheerleading lernen konnte, war, dass die oben genannten „Wuschel“ eigentlich Pompons heißen, diese lediglich von weiblichen Mitgliedern des Teams benutzt werden und ein Cheerleading-Team durchaus eine Reihe von starken Jungs beinhalten sollte. Der Sport, auch Stunt-Cheerleading genannt, setzt viel Training, Technik, Teamgeist und vor allem Vertrauen voraus. Aber eins nach dem anderen.

Was ist Cheerleading wirklich?

Während Cheerleading in der Vergangenheit lediglich das Anfeuern verschiedenster Sportmannschaften zum Ziel hatte, steht mittlerweile die eigene Performance im Mittelpunkt und bildet somit einen eigenen Wettkampfsport. Viele Cheerleading-Teams trainieren für Auftritte, Wettkämpfe oder ähnliche Events, bei denen es auf eine möglichst synchrone, schwungvolle, aber auch unterhaltsame Ausführung ankommt.

Jeder Cheerleading-Auftritt beinhaltet diverse Elemente, die sich hauptsächlich in Stunt, Tumbling und Dance aufteilen lassen: Bei den Stunts, welche sich noch weiter in Group- bzw. Partnerstunts unterteilen lassen, werden möglichst leichte Mädels (die „Flyer“) von möglichst kräftigen Jungs und Mädchen, die zusammen die sogenannte „Base“ bilden, oft mehrere Meter in die Luft geworfen. Dort führen die Flyer anschließend diverse Drehungen, Saltos und Schrauben durch. Nach der möglichst eleganten Ausführung dieser Stunts ist es Aufgabe der Base, die in die Luft gefeuerte Teampartnerin nun wieder sicher aufzufangen. Mehrere dieser Stunts aneinandergereiht werden als „Routine“ bezeichnet.

Im Gegensatz zu den Stunts findet das Tumbling am Boden statt und kommt dem Bodenturnen sehr nahe. Bei diesem Element führen die Cheerleader jede Menge Flickflacks, Drehungen und Saltos durch, bei denen einem alleine vom Zuschauen schwindelig werden kann. Zusätzlich gibt es noch das Element Dance, bei dem vorwiegend die weiblichen Teammitglieder eine Art Tanzchoreographie durchführen. Hierbei kommen auch die besagten Pompons zum Einsatz. All diese Elemente müssen zudem im Takt der dabei abgespielten Musik stattfinden - Rhythmusgefühl und Teamwork sind hier gefordert. Um den synchronen Ablauf zu erleichtern, zählen alle Cheerleader während der Choreographie kontinuierlich von 1 bis 8.

Welche Voraussetzungen muss ein Cheerleader mitbringen?

Nachdem Timo mir ausführlich beschrieben hat, was wirklich hinter dem Cheerleading steckt, war klar, dass dieser Sport eine gewisse Athletik voraussetzt. „Cheerleading beansprucht den ganzen Körper und erfordert gerade bei den männlichen Mitgliedern des Teams sehr viel Explosivkraft“, erklärt Timo. Dafür trainiert er mehrmals die Woche mit dem Team und geht zusätzlich regelmäßig ins Fitnessstudio. Hier führt er gezielt Übungen durch, die dem Bewegungsablauf des Cheerleadings nahekommen. Doch neben der Kraft ist, laut Timo, vor allem die richtige Technik gefragt. Auch die Frauen müssen extrem gut trainiert sein. Bei den Flyern kommt es hauptsächlich auf Körperspannung, Beweglichkeit und Flexibilität an.

Boxen, Rugby, Cheerleading!

Cheerleading zählt zu den gefährlichsten Sportarten der Welt. Im Gegensatz zu Rugby und Boxen, führt allerdings nicht der direkte Körperkontakt, sondern in erster Linie die Luftakrobatik samt Landung zu einem hohen Verletzungsrisiko. Stichwort: Auffangen! Neben Gehirnerschütterungen ist der Sport berüchtigt für Verstauchungen, Knochenbrüche und Gelenkverletzungen - keine Schutzbekleidung, waghalsige Stunts in schwindelerregender Höhe und blindes Vertrauen in das fehlerfreie Funktionieren der kompletten Truppe setzen eine gute Krankenversicherung voraus! Gerade das Grundvertrauen in jedes einzelne Teammitglied ist hier essentiell und in anderen Sportarten kaum in dieser Form wieder zu finden. „Dieses Vertrauen führt zu einem sehr starken Mannschaftszusammenhalt“, erzählt mir Timo abschließend.

Timos Beat Yesterday

Genau wie für mich, war für Timo der Cheerleading-Sport anfangs mit Vorurteilen behaftet. Allein die Neugier hat ihn dazu gebracht, einfach mal etwas Neues auszuprobieren und er konnte somit eine neue Leidenschaft für sich entdecken. Heute schätzt er den Adrenalinschub beim Ausführen der Stunts, die physische Erschöpfung nach dem Training, die Vielfalt und Grenzenlosigkeit des Sports, sowie den starken Zusammenhalt und Spaß im Team. BeatYesterday bedeutet sich täglich zu verbessern, die Komfortzone zu verlassen und neue Dinge auszuprobieren. Sei es Cheerleading, Poledance, Curling oder Unterwasserhockey. Deine neue Lieblingssportart wartet nur darauf, von dir entdeckt zu werden. Ich melde mich jetzt erstmal beim Lach-Yoga an, weil: #BeatYesterday!

Über Timo Birck


Timo Birck (21) ist Sportstudent im 4. Semester an der TU München. Er ist leidenschaftlicher Cheerleader, spielt gerne Volleyball, geht im Sommer Surfen und im Winter Skifahren. Sein nächstes sportliches Ziel ist die Teilnahme an einem Ironman. Neben dem Sport engagiert er sich in der Fachschaft Sport und Gesundheit und arbeitet parallel zum Studium als Werkstudent im Sport-Vertrieb. Derzeit befindet er sich in einem Praktikum im PR-Bereich für Sport, Mode und Lifestyle.

Über Julian Klute


Julian Klute ist 22 Jahre alt und hat vor kurzem sein Marketing Studium in den Niederlanden abgeschlossen. Die meiste Zeit verbringt Julian auf Surf- und Skateboards. Dies verbindet er gerne mit Reisen und dem Kennenlernen anderer Kulturen.


(Bildquellen: Timo Birck/privat; Julian Klute/privat)