© Pierrick Contin/Saint-Barth Cata-Cup 2017

Christian Tramitz: „Ich war schlecht vorbereitet für den Cata Cup!“

Schauspieler Christian Tramitz spricht über sein einmaliges Erlebnis als Segel-Anfänger beim „St. Barth Cata Cup“ und verrät seine Strategien fürs nächste Mal.

Ich zitiere dich aus dem letzten Interview: „Der Cata Cup wird vermutlich mein größtes Abenteuer!“ Jetzt hast du ihn erlebt. Kannst du das Zitat unterschreiben?

Ja, der Cata Cup war fantastisch! Ein wahnsinnig tolles Erlebnis und gleichzeitig mein bisher größtes Abenteuer.

Ich bin ja zum ersten Mal auf dem offenen Meer gesegelt. Was mich überrascht hat: Die Wellen waren manchmal so hoch, dass man das Boot vor einem nicht mehr sah. Selbst den Mast nicht mehr. Das ist ein ganz anderes Fahren. Man muss die Wellen anders ansteuern und surft dann auf ihnen wieder runter. Wenn dann mal Wind ist. Wir hatten am Anfang nicht so viel Wind, was für mich ganz gut war, um mich ans Fahren auf dem Meer gewöhnen zu können.

Womit ich auch nie gerechnet hätte, dass ich so nervös bin. Mein Stresslevel während der Rennen war enorm hoch! Vor allem kurz vor dem Start. Da zitterten mir schon ein bisschen die Hände. 50 Boote am Start, die dann wild durcheinander fahren ist ja auch nicht ganz ungefährlich. Da heißt es: Vorfahrtsregeln beachten und aufpassen, dass man nicht in ein anderes Boot kracht.

Wir hatten ein Windloch und sind komplett versauert. Ich bin fast durchgedreht!

Christian Tramitz

Adrenalin pur in deinen Adern - hattest du da überhaupt noch ein Auge auf die Konkurrenz? Schließlich wolltest du doch von den Profis lernen.

Ja, den ein oder anderen Seitenblick habe ich gewagt. Auch wenn ich sie nicht lange beobachten konnte, weil sie längst über alle Wellen davongesegelt sind (lacht). Aber allein nur beim Start mal für zweieinhalb Meter auf gleicher Höhe mit diesen Profis zu segeln, das war Wahnsinn! Die machen nichts anderes als Segeln, und das sieht man. Deshalb war es wie erwartet spannend, zu beobachten, was sie mit der Schot machen und wie weit sie sich raushängen. Mir war gleich beim ersten Rennen klar: Du musst auf volles Risiko gehen. Du musst in Kauf nehmen, dass du auch mal kenterst. Es sind einige gekentert. Wir zum Glück nicht. Wenn du dazu nicht bereit bist, dann hast du keine Chance auch nur ein bisschen an die Weltspitze ranzukommen. Es wäre ja eh vermessen zu sagen, dass man mit ihnen mitfahren konnte.

Wie hast du dich schlussendlich als „blutiger“ Anfänger zwischen all den Profis geschlagen?

Zuerst mal muss ich sagen, es war „arschmäßig“ anstrengend! Das Segelpensum habe ich total unterschätzt. Über fünf Tage vormittags und nachmittags je ein Rennen zu fahren, von dem jedes so zweieinhalb Stunden dauert, ist enorm. Das bedeutet: zweieinhalb Stunden volle Konzentration und voller Krafteinsatz. Ich war schon nach dem ersten Rennen ziemlich platt. Aber dann habe ich mich langsam an den Rhythmus gewöhnt.

Aber unterm Strich haben wir uns gar nicht so schlecht geschlagen: In der Gesamtwertung belegten mein Skipper Stefan Vogel und ich Platz 43. Den letzten Platz, Nr. 47 haben unsere Teamkollegen belegt. Ich muss aber dazu sagen, dass sie verletzungsbedingt bei drei Rennen nicht antreten konnten und das gibt natürlich Punktabzug.

Deine selbst gesetzte Messlatte, nicht mehr als 20 Minuten nach den Letzten ins Ziel zu kommen, habt ihr ja dann öfters mal übertroffen. Welches Rennen lief denn besonders gut?

Absolutes Highlight war tatsächlich das ganz lange Rennen am Schluss. Das geht über mehrere Stunden um die ganze Insel und ist deshalb besonders kräftezehrend. Beim Cata Cup kommt der Marathon quasi zum Schluss. Wir haben in diesem Rennen mit dem 25. Platz unsere beste Platzierung überhaupt erreicht, dabei sah es anfangs so gar nicht danach aus. Nach dem Startsignal waren wir sofort an zweiter Position, aber leider war es ein Fehlstart. Nicht von uns verursacht, aber wenn zu viele Boote zu früh über die Startlinie fahren, gibt es einen allgemeinen Rückruf. Da war ich richtig sauer, weil wir noch nie so gut gestartet sind. An zweiter Position, das war für uns eine Sensation. Aber sei’s drum. Der Start wurde wiederholt und dann waren wir Letzter. Also die Letzten, die losgekommen sind. Wir hatten ein Windloch und sind komplett versauert. Ich bin fast durchgedreht! Zum Glück war es das lange Rennen, denn als wir dann Fahrt aufgenommen hatten, konnten wir tatsächlich kontinuierlich aufholen und ein Boot nach dem anderen überholen. Das hat uns so motiviert, dass wir die ganze Zeit gekämpft haben. Wir sind fast nur im Trapez und mit Gennaker (Anm. d. Red.: besonders großes, bauchiges, asymmetrisch dreieckiges Vorsegel) gefahren und eigentlich auch immer nur auf einer Kufe. Danach war ich erledigt!

Es gab einige schwache Momente, in denen ich dachte: „Warum machst du mit deinen 62 Jahren noch so einen Blödsinn?“

Christian Tramitz

Dann war ja das Finale des Cata Cups noch mal ein schöner #BeatYesterday-Moment für dich!

Auf jeden Fall! Im Grunde habe ich mit jedem Rennen mehr Erfahrung gesammelt und mich verbessert. Aber es hat noch ein anderer #BeatYesterday-Effekt bei mir eingesetzt, der mir vorher nicht bewusst war. Das Kat-Segeln während einer Regatta geht sehr an die Substanz. Es gab einige schwache Momente, in denen ich dachte: „Warum machst du mit deinen 62 Jahren noch so einen Blödsinn?“

Doch obwohl, oder vielleicht auch weil es irrsinnig anstrengend war, gewann irgendwann der Ehrgeiz die Oberhand. Wenn wir neben einem Boot waren und wir konnten es überholen oder durch ein Manöver ausbremsen - also da kam richtig Rivalität auf! Das kannte ich von mir gar nicht, dass ich sage: „So, jetzt haben wir den auch noch!“ Aber genau dieses Wettkampfgefühl hat mich am Ende so angestachelt und mich mit neuer Energie versorgt. Und am Ende war jedes beendete Rennen ein Erfolgserlebnis. Und das pusht enorm.

Vor dem Cup konntest du nicht sonderlich viel Erfahrung sammeln. Eine Regatta auf dem Starnberger See, nie zuvor auf dem offenen Meer gesegelt, und für deine körperliche Fitness hast du auf Tennis gesetzt. Rückblickend betrachtet: Wie gut warst du wirklic

Mir wurde ziemlich schnell klar, wie schlecht ich eigentlich vorbereitet war. Es fing schon mit der Sonne an, die mit 30 Grad Hitze permanent auf uns runterknallte. Zusätzlich spritzte mir unentwegt Salzwasser ins Gesicht. Ich konnte keine Brille aufsetzen, weil die natürlich sofort voll Wasser gewesen wäre, also hatte ich ständig brennende Augen. So naiv es klingen mag, aber das waren alles Dinge, mit denen ich so nicht gerechnet hatte und an die ich mich gewöhnen musste. Ich würde jetzt auch nicht auf dem Starnberger See segeln und mir während der Fahrt Salz in die Augen streuen. So was merkt man erst vor Ort und denkt: „Hoppla, so ist das also!“

Mit diesen Widrigkeiten hatten sicherlich alle Teilnehmer zu kämpfen. Welche “selbstverschuldeten” Umstände hättet ihr eventuell vermeiden können?

Mir war vorher nicht klar, dass das Körpergewicht so eine wahnsinnig große Rolle spielt. Wir haben zusammen über 200 Kilo auf die Waage gebracht – mehr als 150 Kilo sollten es eigentlich nicht sein. Mit 50 bis 60 Kilo mehr an Bord läuft das Boot dann halt nicht so gut. Das heißt, die leichteren Crews hatten also schon allein durch ihr Körpergewicht einen deutlichen Vorteil.

Und besseres Equipment hatten die Profis auch an Bord. Die ersten 10 Plätze hatten alle ein Deck Sweeper Segel, mit dem sie wahrscheinlich ein bisschen schneller waren. Das ist für die Bootsklasse F18 noch ein sehr neues Grosssegel, das bis zum Trampolin geschnitten ist. Es soll bei mittleren und stärkeren Brisen Verwirbelungen verhindern und bestmögliche Strömung erreichen. Ich will jetzt nicht alles aufs Material schieben, aber ein Teil des Erfolges machen diese Deck Sweeper Segel bestimmt aus. Das nächste Mal haben wir auch eins.

Es wird also auf jeden Fall ein nächstes Mal geben?

Wir wollen definitiv noch mal hin, jetzt sind wir angefixt! Zwischendrin flucht man, es brennen die Augen und der Hintern tut weh. Ich habe einen Bluterguss am Oberschenkel, der ist ungefähr schäferhundgroß. Aber all die vielen Dinge, die einem auf die Nerven gehen, sind sofort vergessen, wenn es vorbei ist. Dann sagt man: „Boah, nächstes Jahr unbedingt wieder! Dann nehmen wir ein anderes Segel und machen dieses und jenes anders...“ Jetzt sind wir schlauer und wissen, wie man Wellen umfahren und Klippen umschiffen muss. Sicherlich bin ich dann auch ein Jahr älter, aber auch besser vorbereitet.

Wie sieht die Vorbereitung für die Teilnahme nächstes Jahr konkret aus?

Was ich bisher nie gemacht habe, jetzt aber auf jeden Fall anfangen werde, ist Krafttraining. Das bedeutet, mindestens ein halbes Jahr vorher regelmäßig Liegestützen machen, weil das Kat-Segeln extrem auf die Arme geht. Vor allem, wenn man nicht so hundertprozentig die richtige Technik hat. Da kann es leicht passieren, dass die Muskeln vor Anstrengung irgendwann übersäuern und man einfach keine Kraft mehr hat. Tja, und dann hängt man im Trapez wie ein nasser Sack.

Und natürlich werde ich viel segeln. Auch mal auf dem Meer. Allerdings bin ich nicht so scharf auf Nordsee oder Ostsee, die sind mir einfach zu kalt. Da sind die Bedingungen hier einfach traumhaft! Um die Boote abzubauen und für den Rücktransport im Container fertig zu machen, mussten wir abschließend noch mal um die halbe Insel segeln. Im Grunde war das eigentlich das schönste Erlebnis: frei zu segeln, das Boot einfach mal laufen lassen und nicht um jeden Meter kämpfen müssen. Das hat diesen ganzen Stress von mir abfallen lassen und war ein fantastischer Abschluss.

Kleine Anekdote aus dem FaceTime-Interview:

Wo genau ist noch der Bluterguss?

Christian Tramitz steht auf. Während er an seiner Hose herumnestelt, versucht er sein iPad in Position zu bringen. Hoffentlich werden diese Zeilen niemals aus dem Kontext gezogen…

Nein, nicht zeigen, nur sagen, an welchem Körperteil er sich befindet. Damit ich das ins Interview schreiben kann.

Hast du Angst? Ich kann ihn gerne zeigen.
(zeigt die durchgehend blauviolette Seite seines Oberschenkels)

Auweia! Das ist ja richtig heftig. Autsch!

Ich habe nicht übertrieben. Aus dem Trapez abgerutscht und auf den Holmen geknallt. Da reicht ein halber Meter Höhe.

Hier geht's zum ersten Teil des #BeatYesterday-Interviews mit Christian Tramitz.

Über Christian Tramitz


Christian Tramitz ist Schauspieler, Komiker und Synchronsprecher. Seinen großen Durchbruch hatte er 1997 als Mitglied im Trio der Comdeyserie „Bullyparade“, seitdem ist er in der deutschen TV- und Filmwelt fest verankert. Als Synchronsprecher verlieh er zahlreichen Pixar-Charakteren seine Stimme, beispielsweise Marlin, dem Clownfish-Papa in „Findet Nemo“ oder Chick Hicks, dem Rivalen von Lightning McQueen in „Cars“.


Auch sportlich ist Christian Tramitz ein Tausendsassa: Zu seinen Hobbies zählen unter anderem Skifahren, Fliegenfischen und Tennis. Katamaransegeln ist seine jüngste und derzeit glühendste Leidenschaft.