„Golf wird als Sport unterschätzt“

Wenn Carolin Löhr nach ihrem Beruf gefragt wird, folgt auch heute noch auf ihre Antwort manchmal die Nachfrage: „Machst du das hauptberuflich?“ Carolin ist Golflehrerin.

Aus Leidenschaft, aus Überzeugung. Und aus gutem Grund: Denn trotz ihres jungen Alters bringt sie eine Unmenge an Erfahrungen mit, die sie ihren Schülern mitgeben kann.

Als junges Mädchen ist es das Interesse für einen netten Jungen, der in seiner Freizeit golft, das Carolin zum Golfsport bringt. „Ich merkte schnell: Das ist genau mein Ding“, sagt Carolin. Der Junge ist schnell Vergangenheit, an ihrer Zukunft arbeitet sie ehrgeizig. „Mein dringlichster Wunsch war es, Profi zu werden – dafür habe ich alles andere stehen und liegen gelassen“, erzählt sie. Kindergeburtstage lässt sie sausen, steht stattdessen auf dem Grün. Verabredungen finden fast nur im Golfhaus statt. Der Ehrgeiz treibt sie an, der Erfolg gibt ihr schnell recht. Im Alter von 17 Jahren wird sie ins Team der deutschen Golf-Nationalmannschaft aufgenommen. In der Golfszene macht sie sich auch international einen Namen, als sie 2004 die Internationale Amateur-Meisterschaft gewinnt. Fünf Jahre spielt sie im Nationalkader. Ihr Antrieb: „Ich will gewinnen“. Golf ist ihr Leben. Und der Druck wird größer und größer. Und erreicht bei ihr irgendwann den Punkt, an dem sie sich entscheiden muss.

„Golf konnte ich gut, Haushalt nicht“

Vor der Geburt ihres Sohnes, der heute neun Jahre alt ist, legt sie eine Pause ein, kehrt danach noch einmal kurz mit einem Start in der 1. Bundesliga zurück ins Geschehen. Und entschließt sich dann endgültig: So geht es nicht weiter. Mit der jungen Familie kommen neue Herausforderungen auf die gebürtige Rheinländerin zu. „Golf konnte ich gut, Haushalt nicht“, sagt sie lachend. Dennoch lässt sie der Golfsport nicht los. Sie beginnt eine Ausbildung zur Golflehrerin. Eine richtige Ausbildung. „Vielleicht denkt mancher, dass ein aktiver Golfer das aus dem Ärmel schüttelt, aber ich habe wirklich drei Jahre lang die Schulbank gedrückt“, erzählt sie. Sportmedizin, Biomechanik, Seminar an Seminar – die Anforderungen an einen „Fully Qualified PGA Professional“, so in der Art eines „Diplom-Golflehrers“, sind nicht ohne. „Ich kam bei einigen Themen und Seminaren an meine Grenzen“, erinnert sich Carolin. Ihr Ehrgeiz war aber wieder geweckt, sie absolviert alle Prüfungen und ist fortan PGA-Professional.

Körperliche Fitness und mentale Stärke

Von ihrem Wissen und ihren unzähligen Erfahrungen können seitdem ihre Golfschüler profitieren. Eine Beobachtung, die sie nicht nur in Unterrichtsstunden gemacht hat: Golf wird als Sport oftmals unterschätzt. „Das hat auch etwas mit alten und längst überholten Klischees zu tun. Golf ist nicht mehr das Repräsentieren von Besitz und Statussymbolen, es ist ein ernstzunehmender und anspruchsvoller Sport“, so die Golflehrerin. Körperliche Fitness und mentale Stärke seien sehr wichtige Voraussetzungen für den Golfsport, denn „Golf ist deutlich mehr als nur eine gemütliche Wanderung über den Golfplatz“. Den Ball schlage man nicht von alleine weit, dazu gehöre intensives Training – auch das der körperlichen Konstitution. Wer sollte es besser wissen, als eine ehemalige Nationalmannschaftsspielerin. Zumal sie auch eine weitere Erfahrung und Ausbildung mit in den Golfsport einfließen lassen kann. „Ich habe nach einem Bandscheibenvorfall Yoga für mich entdeckt, gespürt, wie es mir bei der Balance, Beweglichkeit, Atmung und vor allem meiner mentalen Stärke helfen kann“. Eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin schloss sie ab. Auch dieses Wissen prägt nun ihre Arbeit auf dem Golfplatz.

Etikette statt alter Klischees

Die alten Klischees, wie das der „nebenberuflichen Hobby-Golflehrerin“, begegnen Carolin in ihrem Umfeld noch immer. Selbst noch zu Beginn ihrer Golfkarriere konnten sich Frauen in dem Sport nur dann die Akzeptanz der männlichen Golfer sichern, wenn ihre Leistungen ausgesprochen gut waren. „Früher war es halt dieser sehr elitäre Touch, steif, angestaubt und mancherorts ein reines Alt-Herren-Hobby“, sagt sie und fügt gleich an: „Das ist aber schon lange nicht mehr so“. Moderne neue Golfclubs mit jungen Teams brechen die angestaubte Vergangenheit auf. Aber: Das bedeute nicht, dass hier gänzlich andere Regeln gelten würden. Im Gegenteil. „Etikette auf dem Golfplatz ist nach wie vor wichtig und richtig. Das ist der zu bewahrende Geist unseres Sports“, sagt die PGA-Golflehrerin.

Was macht nun aber den Reiz am Golfsport für sie aus – jetzt, nach unzähligen Turnieren und Wettkämpfen? Carolin überlegt einen Moment. „Für mich ist es dieses hohe Level an Disziplin, was mir beim Golfen abverlangt wird. Du spielst gegen dich selbst, du kontrollierst, was am Ende rauskommt. Und dass es ein Sport für jung und alt ist, man viele Menschen kennenlernt und ihnen auch im direkten Wettbewerb freundlich gegenübersteht; dass man sportlich ist und bleibt, draußen unterwegs, frische Luft…“, sprudelt es aus ihr heraus.

Carolin Löhr missioniert nicht, wenn es um den Golfsport geht. Aber aus ihrer eigenen Laufbahn und dem Kontakt mit unzähligen Golfschülern kann sie sehr genau skizzieren, wie ein optimaler Einstieg in das Hobby aussehen sollte. „Ich würde einen Schnupperkurs machen. Den bieten fast alle Golfplätze an“, empfiehlt Carolin. Nach dem Schnuppern kann sich ein erster Kurs anschließen, bei dem die Basics erlernt werden – sowohl theoretisch als auch praktisch. In einer Gruppe macht das auch viel Spaß, weiß die 30-Jährige. Danach kann es auch schon das erste Mal alleine auf die Bahn gehen. „Es gibt beim Spiel zum Teil recht komplexe Bewegungsabläufe, die ein Golfer machen muss. Da ist ein Golflehrer, der das sehr genau beobachtet, immer eine gute Ergänzung“, wirbt sie dafür, nicht unbedingt den Weg alleine zu suchen. Denn das gehe oftmals schief. „Mit einem Pro lernt man von Anfang an, entwickelt sich schneller und hat auch langfristig Erfolgserlebnisse, die man braucht."

(Dieser Artikel erschien zuerst auf gps.de.)


(Bildquelle: Marieke Sobiech/gps.de; iStock.com/Willard)