© Jürgen Pollack

Großes Abenteuer auf hoher See: Christian Tramitz beim Cata Cup

Schauspieler Christian Tramitz startet als Anfänger beim heißbegehrten „St. Barth Cata Cup“. Was für ihn das Größte dabei ist, liest du im Interview.

Wie hast du es als Segel-Anfänger geschafft, einen Startplatz beim begehrten „St. Barth Cata Cup“ zu bekommen?

Wir sind da sehr überraschend reingerutscht. Das ist nämlich erst die zweite Segelsaison von meinem guten Freund Daniel Parera und mir auf dem Katamaran. Kat-begeistert wie wir sind, war die Teilnahme am Cata Cup früh ein Plan von uns - allerdings eher ein langfristiges Ziel. Trotzdem bewarben wir uns einfach mal. Erst waren wir auf Platz 120 der Warteliste, sind dann aber immer weiter vorgerückt. Vermutlich sagten viele wegen des Hurrikans Irma ab, der auch auf St. Barth wütete und viel von der Infrastruktur zerstörte. Ich finde allerdings mit Fernbleiben ist den Menschen dort am wenigsten geholfen. Klar werden wir beim Komfort Einschnitte machen müssen. Unser Hotel zum Beispiel hat noch keine richtige Küche, es gibt kein Frühstück und der Pool ist noch nicht benutzbar. Aber das ist uns egal. Hauptsache, wir sind auf dem Boot und können diese Regatta mitfahren.

Wir sind immer noch überrascht, dass wir plötzlich doch unter den Teilnehmern sind. Doch in erster Linie sind wir wahnsinnig froh und begeistert darüber. Wir, quasi als Frischlinge, starten zwischen lauter Profis und Halbprofis – das größte Glück für uns und gleichzeitig vermutlich das größte Abenteuer!

Wenn sich das Ding auf eine Kufe stellt und du draußen im Trapez hängst oder der Kat richtig abhebt und fliegt – dieses Gefühl macht in kürzester Zeit süchtig.

Christian Tramitz

Beim Cata Cups wird den Teilnehmern viel abverlangt. Sie fahren über mehrere Tage viele einzelne Rennen. Welche Wettkampferfahrungen konntest du bisher in deiner noch recht frischen Seglerkarriere sammeln?

So gut wie keine (lacht)! Daniel und ich sind bisher genau eine Regatta gefahren, und zwar am Starnberger See, wo auch unser Katamaran liegt. Ich bin früher ab und zu auf einem normalen Segelboot gesegelt. Doch das wurde schnell langweilig. Dann bin ich zum ersten Mal Katamaran gefahren und war sofort infiziert. Das ist etwas ganz anderes! Viel mehr Sport. Viel mehr Adrenalin. Wenn sich das Ding auf eine Kufe stellt und du draußen im Trapez hängst oder der Kat richtig abhebt und fliegt – dieses Gefühl macht in kürzester Zeit süchtig. Tja, und jetzt bin ich abhängig.

Unser Motto „BeatYesterday“ bedeutet, sich stetig zu verbessern und sich Schritt für Schritt seinem Ziel zu nähern. Was bedeutet diese Motto für dich?

Mir ging es immer darum, mich nicht in Leistungsdaten wie Punkten oder Zeiten zu messen und zu verbessern, sondern mir war es wichtiger, beispielsweise beim Tennis, einen außergewöhnlichen Schlag zu trainieren bis er sitzt. Mit Blick auf meine bisherige Segelerfahrung ist die Teilnahme am Cata Cup an sich schon ein riesengroßer #BeatYesterday-Moment: Vom Starnberger See direkt in die Gewässer der Karibik. Ein ziemlich großer Sprung!

Wenn Katamaransegeln eine Kaffeefahrt wäre, würde es mich auch nicht interessieren.

Christian Tramitz

Und ein ganz schön waghalsiger Sprung. Übernehmt ihr euch da nicht?

Wir sind als Anfänger technisch natürlich nicht so versiert, als dass wir zu zweit auf einem Kat diese Regatta fahren könnten. Wobei – wir könnten sie fahren, aber es wäre vermutlich eine ziemlich kurze Angelegenheit. Also haben wir uns mit Stefan Vogel und Laszlo Dangel noch zwei Freunde aus dem Segelclub Ambach ins Team geholt. Zwei sehr erfahrene Segler, die auch schon bei der Europameisterschaft mitgesegelt sind. Wir starten also mit zwei Katamaranen und auf jedem sitzt ein Profi und einer von uns. Ich würde mir auch niemals zutrauen als Steuermann auf so einem Rennen zu fungieren, deshalb nehme ich die Rolle des sogenannten Vorschoters ein und bin gerne untertäniger Befehlsausführer.

Worauf freust du dich beim Cata Cup am meisten?

Meine größte Vorfreude ist die, in einem Feld von 60 Katamaranen zu sein, umgeben von Profis, die auch schon den America’s Cup gesegelt sind. Das ist ungefähr so, als wenn ich jetzt gegen Sebastian Vettel in der Formel 1 antreten würde. Nur möchte ich mich mit den anderen Seglern nicht messen. Das wäre dämlich. Ich bin froh, dabeisein zu können und stolz, wenn ich nicht mehr als 20 Minuten später als die anderen ins Ziel komme. Für mich liegen Spaß und Reiz an der Teilnahme darin, diese Top-Skipper zu beobachten, was sie anders machen, mit welchen Techniken sie so schnell werden. Ich möchte von ihnen lernen.

Worin siehst du die größte Herausforderung?

Eine Herausforderung ist die perfekte Kommunikation zwischen mir als Vorschoter und meinem Teamkollegen als Steuermann. Das ist ein einziges Gebrüll gegen die Gischt, die hinten laut an den Rumpf klatscht. Wenn dann die Befehle bei mir akustisch gut ankommen und ich sie dank richtig abgerufener Seglervokabeln korrekt ausführe, sollte uns ein Kentern erspart bleiben.

Und klar: Die Befürchtung, der Katamaran geht kaputt, ist ständiger Begleiter. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich auch den Kopf am Mast stoßen oder sich in irgendeiner anderen Form verletzen. Aber wenn Katamaransegeln eine Kaffeefahrt wäre, würde es mich auch nicht interessieren. Ich freue mich auf diese Erfahrung mit all ihren Herausforderungen und bin überzeugt: Danach bin ich besser.

Also beim Kat-Segeln stellt mir meine Tollpatschigkeit zum Glück kein Bein.

Christian Tramitz

Wie bereitest du dich körperlich und mental auf das große Rennen mit all seinen Herausforderungen vor?

Ich spiele schon seit Ewigkeiten Tennis und das ist für mich die optimale körperliche Vorbereitung. Sowohl im Tennis als auch für das Katamaransegeln brauchst du eine unglaubliche Kondition. Für das ständige Hin und Her von einem Rumpf auf den anderen und dann das dauernde Raus und Rein über das Trapez benötigst du eine irre Kraft und enorme Ausdauer. Natürlich bereite ich mich auch auf den Cup vor, indem ich so viel wie möglich segle und möglichst viele Erfahrungen sammle. Das sehe ich aber eher als mentale Vorbereitung. Gut, die Wellen auf dem Starnberger See sind jetzt nicht so hoch, aber wir waren auch schon am Gardasee und da gibt es auch mal 1,5 bis 2 Meter hohe Wellen. Das ist schon noch mal eine andere Erfahrung, da kann sich der Katamaran auch nach vorne überschlagen. Wir haben es bisher so noch nicht erlebt, unser Katamaran wurde aber mal absichtlich umgekippt und wir mussten ihn dann wieder aufrichten. Also das sind alles Learning-by-doing-Vorbereitungsmaßnahmen. Und dieser Lernprozess wird während des Cata Cups vermutlich fröhlich weitergehen.

Woraus besteht eure Ausrüstung an Bord? Und wie und wann machst du davon Gebrauch?

Unsere F18 Hobie Wildcat ist ein reines Sportgerät, bestehend aus zwei Rümpfen mit einem Trampolin dazwischen. Da ist kein Platz für Gepäck oder eine umfangreiche Technikausrüstung. Wir werden aber ein inReach von Garmin dabeihaben, ein Satellitenkommunikationsgerät im Handyformat, mit dem man im Ernstfall auch Notsignale absenden kann. Leider keine Leuchtraketen (lacht). Außerdem trage ich die Sportuhr quatix 5 am Arm, in die ich sogar den Kurs der jeweiligen Rennen genau eingeben kann. So habe ich mein Navi am Handgelenk und kann mit einem Blick entscheiden: Wie flieg ich jetzt? Wie fahre ich jetzt? Wo ist der kürzeste Weg?

Außerdem hat die Uhr GPS, sollten wir mal zu weit vom Kurs abkommen. Ein unheimlich nützliches Tool – falls ich sie dann mal bedienen kann. Was Computer und Technik angeht habe ich nämlich zwei linke Hände. Da fuchse ich mich also gerade noch rein. Den Herzschlag misst sie übrigens auch. Der wird kurz vor Start wohl ziemlich hoch sein. Ich kann mir auch die gesamte sogenannte Erregungskurve angucken, wann in welchen Situationen der Puls wie reagiert. Darüber berichte ich dann nach dem Cup im zweiten Teil des Interviews. Screenshots inklusive!

Du bist laut eigenen Angaben ein Tollpatsch. Wie könnte das deine Performance auf dem Katamaran beeinflussen?

Ich bin kein Tollpatsch in körperlicher Hinsicht. Dennoch habe ich ein paar Defizite, die in diese Kategorie fallen. Zum Beispiel habe ich keinen Orientierungssinn – aber ich habe ja jetzt die quatix 5 (lacht). Wenn ich zum Beispiel in ein Haus gehe oder eine Straße wiederfinden soll, bin ich orientierungslos und verhalte mich tollpatschig. Was die körperliche Geschicklichkeit angeht, bewege ich mich im normalen Rahmen. Durch Skifahren und Tennis habe ich ein gutes Gleichgewichtsgefühl. Das braucht man auf dem Kat, da man viel mit Gewicht fährt. Ein halber Meter weiter vor oder zurück macht viel an Geschwindigkeit und Lage aus. Also beim Kat-Segeln stellt mir meine Tollpatschigkeit zum Glück kein Bein.

Vielen Dank für den ersten Teil des Interviews. Wir wünschen viel Spaß und Erfolg und sind gespannt auf den zweiten Teil, in dem wir erfahren werden, wie es dir ergangen ist.

Über Christian Tramitz


Christian Tramitz ist Schauspieler, Komiker und Synchronsprecher. Seinen großen Durchbruch hatte er 1997 als Mitglied im Trio der Comdeyserie „Bullyparade“, seitdem ist er in der deutschen TV- und Filmwelt fest verankert. Als Synchronsprecher verlieh er zahlreichen Pixar-Charakteren seine Stimme, beispielsweise Marlin, dem Clownfish-Papa in „Findet Nemo“ oder Chick Hicks, dem Rivalen von Lightning McQueen in „Cars“.


Auch sportlich ist Christian Tramitz ein Tausendsassa: Zu seinen Hobbies zählen unter anderem Skifahren, Fliegenfischen und Tennis. Katamaransegeln ist seine jüngste und derzeit glühendste Leidenschaft.

Über den St. Barth Cata Cup


Der „St. Barth Cata Cup“ ist eine Katamaran-Regatta der Bootsklasse F18 und nicht zuletzt wegen seiner traumhaften Kulisse und der günstigen Segelbedingungen rund um die Karibikinsel St. Barth immer in wenigen Minuten ausgebucht. Über mehrere Tage finden einzelne kleinere Rennen statt. Ein großes Rennen um die ganze Insel ist schließlich das Finale am letzten Tag. Der Cata Cup 2017 findet vom 13. Bis 20. November statt.