Caddy Camper: So baust du deinen „Do it Yourself“-Campervan

Freiheit im Alltag genießen: Wie du dein Auto zu einem Camper umbauen kannst, erzählt dir Gastautorin Carina in ihrem Erfahrungsbericht.

Die Reiselust setzt alles in Gang

Es war Ende 2015 und eigentlich lief unser Leben ziemlich perfekt. Nach dem Studium reisten wir sieben Monate lang durch Neuseeland und Asien, anschließend fanden mein Freund Max und ich direkt eine Festanstellung und eine tolle Wohnung im Zentrum unserer Wahlheimat Stuttgart. Aber irgendwas fehlte uns. Es dauerte einige Zeit, bis wir dieses Gefühl der Unzufriedenheit greifen konnten. Wir lieben das Stadtleben sehr, dennoch sehnen wir uns nach mehr Freiheit – eine, die wir nur draußen und unterwegs finden.

Es ist eine Passion, die wir teilen. Für uns bedeutet Reisen nicht Urlaub an einem Ort, sondern unterwegs zu sein – Roadtrips mit Zufallsprinzip: Ein grobes Reiseziel suchen, packen und los! Wir lassen uns treiben und entscheiden jeden Tag aufs Neue, worauf wir Lust haben. Den Tag entspannt am Strand verbringen, durch eine historische Altstadt schlendern, frischen Fisch in einer kleinen Hafenstadt genießen oder einen Gipfel besteigen. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, können wir nach Lust und Laune abbiegen und jederzeit spontan entscheiden.

Die Wahl des richtigen Autos

Unser treuer Begleiter auf diesen Reisen war bisher ein 15-jähriger Renault Clio. Ohne eine Generalüberholung war absehbar, dass er die nächste große Tour nicht mehr schaffen würde. Und wir hatten schon lange den Traum von einem eigenen Camper. Mich hat der Gedanke seit 2009 nicht mehr losgelassen, als ich als Backpacker Australien mit einem Campervan bereiste. Max konnte stundenlang von seinen Urlauben mit seinen Eltern in ihrem alten T2 Bulli quer durch Europa schwärmen. Um als Camper genutzt werden zu können, sollte das Auto daher groß genug sein, um darin schlafen zu können.

Als Budget setzten wir uns 15-20.000€. Doch was sollte es werden? Ein VW Bulli? Unbezahlbar. Ein alter Van? Leider zu unzuverlässig, wenn man kein Automechaniker ist. Ein neuerer VW Bus? Ein großes Auto ist für die Anwohnerparkplätze in unserer Wohngegend leider ungeeignet und auch das Budget würde ein neueres Modell locker sprengen.

Nach etwas Recherche hatten wir unser Traumauto schnell gefunden, einen VW Caddy. Der kleine Bruder des VW Bus. Wir entschieden uns für einen neuen Caddy mit Euro 6 Diesel und Blue Motion, ein sparsames und umweltbewusstes Modell. Als wir Anfang Juli 2016 unseren Caddy endlich abholen konnten, hätten wir nicht stolzer sein können. Bis er als Camper nutzbar war, sollte es nur zwei Monate dauern. Denn die erste Reise mit unserem Caddy stand bereits an.

Her mit den Umbau-Ideen

Wir haben uns für einen Caddy in Weiß entschieden, aber so sollte er natürlich nicht bleiben. Als Hommage an den alten Bulli bekam er eine Folierung in Mintgrün. Der Innenausbau war der zweite Schritt. Wir wünschten uns eine flexible Lösung, die einfach und schnell ausbaubar war, der Caddy sollte weiterhin im Alltag voll nutzbar sein.

Obwohl es auf dem Markt zahlreiche gut durchdachte Fertiglösungen gibt, um den Caddy campingtauglich zu machen, haben wir uns entschieden, ihn in Eigenregie umzubauen. Bett, Sofa, Tisch - alles sollte unser Umbau beinhalten. Ein “Tinycamper” gemütlich und funktionell. Auch wenn das ganze etwas mehr Arbeit war, als wir zunächst dachten, es machte riesigen Spaß. Mit jedem neuen Teil, das wir planten und bauten, kamen weitere Ideen hinzu. Tipp: Viel Inspiration zum Umbau liefern Instagram und Pinterest.

Die Bett-Box

Das Essentielle zuerst: das Bett. Wir verglichen viele Modelle auf dem Markt, vermaßen das Auto und fertigten diverse Skizzen an. Das Holz besorgten wir bei einem Camping-Innenausbau-Hersteller in Trochtelfingen im Zollernalbkreis. Das CPL (Continuous Pressed Laminat, widerstandsfähige Laminatbeschichtung) beschichtete Holz soll langlebiger sein als herkömmliches Holz aus dem Baumarkt. Der Freund meiner Schwester half uns beim Sägen der Bretter und beim Zusammenbau.

Wer nicht das Glück hat, einen Zimmermann zu kennen, kann sich auch ganz unkompliziert im Baumarkt das nötige Werkzeug ausleihen. Ein Hinterhof, ein paar Böcke, eine Stichsäge, Schleifpapier, ein Akkuschrauber und viele Schrauben - das ist alles, was man dafür benötigt. Das Bettgestell besteht bei uns aus einer Box, welche im Kofferraum liegt. Diese ist längs in 3 Bereiche geteilt. Die mittlere Deckenplatte ist lose, kann herausgenommen und mit Hilfe einer Metallstange zu einem Tisch umgebaut werden. Auf der linken Seite bauten wir eine 12 Volt Kühlbox ein und rechts eine ausziehbare Küchenschublade mit gasbetriebenen Campingkocher. Auf der Innenraumseite kann an die Box eine ausklappbare Schlafplatte schnell und einfach eingehakt werden. Mit ihr können wir sowohl ein ca. 1,90 m langes Bett als auch ein Sofa bauen. Unsere Konstruktion kann mit Autositzen oder ohne genutzt werden. Auf längeren Trips bauen wir die Sitze aus und ersetzten sie durch ebenfalls selbst gebaut Gepäckboxen.

Nachdem die wichtigsten Teile fertig waren, war es an der Zeit, unseren Caddy gemütlich zu machen. Für die Matratze ließen wir in einem Fachgeschäft Schaumstoff auf unsere Wunschmaße zuschneiden und nähten passende Bezüge. Tipp: Reißverschluss über mindestens 50% des Umfangs einnähen, denn Schaumstoff ist sehr widerspenstig. Dank der Reißverschlüsse kann man die Bezüge nach einem längeren Trip einfach abziehen und waschen. Aus den Überresten des Stoffes nähten wir Vorhänge, welche wir einfach mit Kordeln und Saugnäpfen an den Fenstern anbrachten. Wichtig: Normale Automodelle sind nicht für das Campen konstruiert, daher sollte auf eine ausreichende Luftzufuhr geachtet werden. Wir nutzen hierfür modellbezogene Lüftungseinsätze für die Vordertüren und einen Abstandshaken für die Heckklappe. Tipps für mehr Gemütlichkeit im Camper: Eine LED Lichterkette als Beleuchtung für den Innenraum (zieht die Autobatterie nicht leer), eine paar Lieblingskissen und eine kuschelige Wolldecke für lauschige Nächte.

Das Leben mit einem Campervan

Unser Trip nach Spanien und Portugal war traumhaft und dank unseres kleinen Campers konnten wir Plätze entdecken, die man als normaler Tourist eher selten zu Gesicht bekommt. Eine Freiheit, die man nicht kaufen kann. Das Planen und Bauen eines Campers ist ein ganz besonderes Projekt. Immer findet man eine neue Idee, wie man das Auto noch gemütlicher machen oder erweitern könnte. Aktuelle sind wir dabei, Regale für die Kofferraumfenster zu bauen. Fertig ist unser Self-Made-Camper wohl nie - aber ist es nicht auch gerade das, was den Reiz ausmacht?

Über Carina


Carina ist 31 Jahre alt, lebt in Stuttgart und arbeitet dort als Art Director in einer Digitalagentur. Über ihren Caddy Camper und ihre Reisen berichtet sie auch auf ihrem Instagram-Kanal und ihrem Blog.


(Bildquellen: Caddy Camper/Carina; iStock.com/jacoblund)