Leben ohne Kunststoff: Plastikfrei durch den Alltag

Es schadet der Umwelt, umgibt dich aber überall. Plastikfrei zu leben ist nicht leicht, aber möglich – zumindest zum Teil. Wir geben Tipps, wie du deinen Verbrauch von Kunststoff reduzierst.

Ein plastikfreies Leben wird immer wichtiger

Müll aus Kunststoff ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. In Deutschland werden laut dem Umweltbundesamt pro Jahr durchschnittlich 400 Millionen Tonnen Müll produziert. Allein 17 Millionen davon sind Verpackungsmaterial aus Pappe, Kunststoff, Glas und Holz. Etwa 140 Millionen Tonnen Plastikmüll sollen laut Schätzungen bereits in den Weltmeeren schwimmen. Mikro-Überreste von Plastik setzen sich zusammen und schweben auf der Oberfläche oder in einer Tiefe bis zu 30 Metern. Bis Plastikmüll verrottet, dauert es bis zu 450 Jahre. Die chemischen Bestandteile im Plastikmüll gelangen als kaum sichtbares Mikroplastik auch in die Nahrungskette und sollen bei Menschen verantwortlich für Krebserkrankungen, Asthma, Alzheimer und Diabetes sein. Seitdem Forscher diese verheerenden Folgen aufgedeckt haben, wird der Wunsch nach einem plastikfreien Leben bei vielen Menschen immer größer. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht. Fast alle Produkte, die wir täglich kaufen, enthalten Plastik. Dennoch ist ein Leben mit weniger Plastik möglich und der Trend zu nachhaltigerem Konsum erkennbar.

Plastik als Nahrungsmittelverpackung

Die meisten Lebensmittel des täglichen Bedarfs sind in Plastik verpackt. Angefangen bei Milch, über Käse und Fleisch bis hin zur Gurke. Sogar Salat wird häufig portioniert in Plastikbeuteln verkauft. Eine Gegenbewegung gibt es seit einigen Jahren in Form von verpackungsfreien Supermärkten in vielen deutschen Städten. In Berlin ist beispielsweise „Original Unverpackt“ der erste Supermarkt ohne Einwegverpackungen, der ein plastikfreies Leben ermöglichen will. In solchen Geschäften kannst du alle Lebensmittel ohne Verpackung kaufen. „Bulk Shopping“ nennt sich das Ganze. Dabei füllst du beispielsweise einen mitgebrachten Behälter mit der gerade benötigten Menge der Ware.

Kunststoff in Hygieneprodukten und Kleidung

Duschgel, Shampoo, Creme und Zahnpasta: Im Badezimmer reihen sich die Plastikverpackungen nur so aneinander. Dazu kommen zahlreiche Reinigungsprodukte. Doch nicht nur die Verpackungen sind aus Plastik, auch als Inhaltstoff spielt der Stoff in Hygieneartikeln eine wichtige Rolle. Oft ist in ihnen Mikroplastik enthalten. Umschrieben wird dies häufig mit „Mikroperlen“ oder „Mikro-Kügelchen“. Sie stecken zum Beispiel in einigen Zahncremes oder Peelingprodukten. In verpackungsfreien Supermärkten, im Internet und in einigen Bioläden kannst du Seife, Shampoo, Duschgel und Reinigungsmittel auch ohne Kunststoff kaufen. Weil sich mittlerweile sehr viele Menschen nach einem plastikfreien Leben sehnen, gibt es immer mehr nachhaltige Angebote für alle Lebensbereiche.

Auch Kleidung ist ein oft unvermutetes Plastikversteck. Besonders preiswerte Mode enthält oft Kunststoff, zum Beispiel Fleece-Kleidung. Um auch im Kleiderschrank dauerhaft plastikfrei zu leben, kannst du beim Kleidungskauf auf Alternativen wie Baumwolle, Bambus oder Hanf aus biologischem Anbau ausweichen. Wenn du ein Kleidungsstück mit Plastikanteil kaufst, ist es wichtig, dass zumindest kein Polyvinylchlorid (PVC) oder Polycarbonat (PC) verwendet wurde, da diese schadstoffbelastet sind.

So kaufst du möglichst plastikfrei ein

Auf dem Weg zu einem plastikfreien Leben solltest du schon beim Einkauf starten – doch nicht jeder hat einen plastikfreien Supermarkt in seiner Nähe. Macht nichts: Auch in einem gewöhnlichen Kaufhaus kannst du viel tun, um Plastik zu vermeiden. Die wichtigste Regel zuerst: Nimm immer einen Korb oder einen Stoffbeutel mit zum Einkaufen, um dir den Kauf einer Plastiktüte zu sparen. Achte außerdem darauf, ob es ein gleichwertiges Produkt nicht auch unverpackt gibt. Sollte keine Alternative vorhanden sein, kaufe das Produkt entweder gar nicht oder werfe die unnütze Kunststoffverpackung in den Müllbehälter hinter dem Kassenbereich. Damit gibst du dem Geschäft zu verstehen, dass du diese Plastikverpackung nicht brauchst. Verzichte auf die Plastikbeutel für Obst und Gemüse und transportiere es stattdessen in Gemüsenetzen.

An der Wurst- und Käsetheke kannst du den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin darum bitten, die Ware nach dem Wiegen in eine mitgebrachte Edelstahldose zu legen. Aufgrund von Hygienevorschriften kommen allerdings nicht alle Geschäfte einer solchen Bitte nach. Es gibt aber auch Lebensmitteltheken, an denen Käse und Fleisch zum Beispiel in Papier eingeschlagen wird. Bei Getränken solltest du generell auf Einwegverpackungen verzichten und stattdessen zu Produkten greifen, die in der Mehrwegflasche lagern. Brot und Brötchen bekommst du beim Bäcker in Papiertüten oder direkt in deinen Stoffbeutel statt im Supermarkt in Folie verpackt.

Milch, Joghurt und Sahne werden auch in Glasbehältern angeboten. Falls du sie nicht im gewöhnlichen Supermarkt findest, schau dich nach einem Bioladen oder einem Reformhaus um. Dort bekommst du zum Beispiel auch Gewürze in Mehrwegverpackungen.

Noch mehr Tipps zum plastikfreien Leben

Wenn du deinen Verbrauch von Kunststoff dauerhaft reduzieren möchtest, solltest du dich mit dem Plastik in deiner Umgebung auseinandersetzen. Keine Sorge, dafür musst du nicht gleich jegliche Produkte aus Plastik aus deinem Haushalt aussortieren. Du kannst, auch ohne dein Leben völlig umzukrempeln, viel für die Umwelt tun, indem du weniger neues Plastik kaufst. Informiere dich, wo du in deiner Nähe plastikfrei einkaufen kannst, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden in der Umgebung. Verzichte auf den Kaffee im Pappbecher mit Plastikdeckel oder Strohhalm. Stattdessen kannst du deinen eigenen Trinkbecher ins Café mitbringen. Achte auf die Inhaltsstoffe der Hygieneprodukte und der Kleidung, die du kaufst. Viele Reinigungs- und Hygieneprodukte sind in Großpackungen erhältlich oder du kannst sie sogar selbst herstellen und so die Umwelt schonen. Werde aktiv, indem du Marktleiter in Supermärkten nach plastikfreien Alternativen fragst und sie so zum Nachdenken anregst. Entsorge deinen Plastikmüll fachgerecht, indem du Misch-Packungen aus Papier und Plastik trennst und getrennt in die Container sortierst. Damit dein Leben dauerhaft plastikfreier wird, solltest du auch bei allen anderen Produkten darauf achten, dass sie möglichst wenig Plastik enthalten. Ärgerst du dich über umständlich eingepackte Produkte, kann es sich lohnen, dem Hersteller eine E-Mail zu schreiben und ihn auf dieses Problem hinzuweisen.

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