Real Life Heroes: Johann Wanek, Wien

In der Reihe „Real Life Heroes“ stellen wir Alltagshelden vor, die #BeatYesterday täglich leben - diesmal: Johann - Kanalarbeiter, Fitnesstrainer und Freizeit-Eishockeyspieler aus Wien.

Seit vielen Jahren arbeitet Johann im selben Beruf. Als Vorarbeiter gehört er der für die Bevölkerung oft unsichtbaren Mannschaft von Wien Kanal an. Johanns Kollegen sind überwiegend Männer - die Arbeit findet größtenteils unterirdisch statt und ist oft schweißtreibend, aber wichtig: Wien Kanal sorgt dafür, dass das Wasser in der Millionenstadt an der Donau fließt. Von der Leitung in den Abfluss, vom Abfluss durch das weit verzweigte und berühmte Kanalsystem Wiens (bekannt aus dem Spionagefilm “Der Dritte Mann”, die bekannteste Zithermelodie der Welt hallt durch Kanal und unser Ohr) weiter zur Klärung. Und schließlich sauber in die Donau oder zurück ins System.

Johann zieht sich in der Früh seine Latzhose an, steigt in die schweren gummierten Stiefel mit ausladender Schuhkrempe und packt Handschuhe, Helm und Stirnlampe aus. Wir begleiten ihn und seine Truppe einen Tag bei der Arbeit. Dort hinunter, wo es stinkt, ein bisschen gespenstisch ist und auch für den Magen unangenehm werden kann. “Das ist ein guter Job, die Firma kümmert sich gut um uns, man hat seine Ruhe beim Arbeiten. Aber da kommt auch niemand und klatscht Beifall wenn wir, so wie vor kurzem, 400 Tonnen Schotter händisch ausschaufeln. Du fällst nur auf, wenn etwas nicht funktioniert. Im Endeffekt werden wir daran gemessen, dass die Leute nichts von unserer Arbeit mitbekommen.”

Szenenwechsel - auf zum Firmentraining. Johann, oder “Hans”, wie er in der Außenstelle genannt wird, leitet auch das hausinterne Rücken- und Fitness Trainingsprogramm von Wien Kanal. “Turnen mit Hans” steht auf seinem T-Shirt - Der Wiener Schmäh schwingt bereits bei dem Titel mit. Oder besser gesagt, er beugt sich mit, wenn der ausgebildete Masseur, Tiefentherapeut und Fitnesstrainer vor den motivierten Kollegen perfekte Kniebeugen vormacht. Es sind die Kanalräumer dabei, Kanalingenieure, die Verantwortliche für Public Relations und manchmal übt auch der Herr Direktor fleißig mit. „Bei mir im Turnen sind alle gleich.“ Ein spitzbübisches Lächeln huscht bei Kniebeuge 30 über sein Gesicht, der Schweißtropfen rollt am Kinn entlang. Johann versucht jede einzelne Übung exakt zu vermitteln. Den Teilnehmern macht es sichtlich Spaß.

Nach dem Training fährt Johann nach Hause, holt dort den Eishockey Helm, Schlittschuhe und Schläger aus dem Keller. Er freut sich auf die morgige Eiszeit. Johann hat sich fest vorgenommen, endlich das Rückwärts-Übersteigen mit den Kufen zu lernen, ohne dabei wie ein “Gorilla auf Ecstasy” auszusehen. „Einfach ein gerader Pass der ankommt, vielleicht im Laufen. Das wäre optimal”. Es ist Hans neue Herausforderung im Sport. Suchtfaktor: hoch. So einfach ist das.

(Bildquelle: Manu Grafenauer)