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Roadtrip Abenteuer: Mit dem Bulli ans Nordkap

Von Istanbul bis ans Nordkap mit einem kultigen VW-T1-Bulli: Da sorgt allein schon die fehlende Servolenkung für sportliche Betätigung bei Fotoreporter Peter Gebhard.

Roadtrip-Erfahrung ist bei Peter Gebhard in höchstem Maße vorhanden: Vor einigen Jahren hielt der reisebegeisterte Buchautor und Profi-Fotograf bereits seine Panamericana-Tour von Alaska nach Feuerland fest und wurde dafür unter anderem vom GEO-Magazin ausgezeichnet. Später kommt es im Rahmen eines längeren Aufenthaltes in Rio zu ausgiebiger Fahrpraxis mit einem VW-T2-Bus, und der 58-Jährige fühlt sich sofort an seine Interrail-Zeit als Teenager erinnert: „Ob Trondheim, Saint-Tropez oder Thessaloniki – überall begegnete ich damals den VW Bullis“, schreibt er in seinem Buch „Das große Bulli Abenteuer“.

Mit 44 PS quer durch Europa

Warum also nicht das nächste Abenteuer quer durch den heimischen Erdteil planen? „Wem ist die unglaubliche landschaftliche und kulturelle Vielfalt unseres Erdteils bewusst? Viele Landstriche sind vom Namen her völlig unbekannt, obwohl manche fast vor unserer Haustür liegen.“ Das große Abenteuer – es muss nicht zwangsläufig in Dubai, Kuba oder auf Bali beginnen, meint der Autor. Und stilecht sollte die Reise nun also in einem VW-T1-Oldie ihren Lauf nehmen. Zwei Jahre lang gibt es das Bulli Abenteuer nur in Peters Kopf, dann geht es ganz schnell: Ein erschwingliches Modell wird gefunden, innerhalb kürzester Zeit in der Käferwerkstatt Regensburg auf Vordermann gebracht und dann geht’s auf zur „Fahrt vor der Fahrt“, zum Startpunkt Istanbul. Ziel der Reise: das Nordkap.

Wanderrucksack und Campingzelt auf der Rückbank

Doch natürlich ist der Weg das Ziel: Am Ende fährt der Bulli durch 15 Länder, legt 15.000 Kilometer in 99 Tagen zurück. Da solche Kleintransporter ausreichend Stauraum bieten und auf der Reise keine Flughafen-Check-Ins überwunden werden müssen, lässt sich alles mitnehmen, was für individuelle Wandertouren oder spontane Camping-Aufenthalte benötigt wird. Durch diese Flexibilität erhalten sich Roadtrip-Reisen bis heute ihre Magie von Freiheit und Abenteuer. Peter und sein Assistent machen von diesem Vorteil reichlich Gebrauch und erleben eine Horizonterweiterung nach der anderen:

  • Im Nordwesten Griechenlands starten sie auf 1.400 Metern Höhe eine Wanderung vom Gebirgsdorf Vradeto aus in Richtung Beloi zur Vikos-Schlucht. Im „Guiness-Buch der Rekorde“ ist diese als tiefste Schlucht der Welt bekannt.

  • In den italienischen Alpen entdecken sie das kleine Dorf Lusern. Der auch heute noch abgelegene Ort hat seine eigene Sprache: Nur noch hier wird zimbrisch, eine uralte bairische Sprachvariante, gesprochen.

  • In Norwegen wird am Siljansee gezeltet. Beim Lagerfeuer lernt man zwei Alkoholschmuggler kennen. Stolz präsentieren sie ihren Camper mit Zwischenböden, die mit Bier, Wodka und Whisky aus Deutschland gefüllt sind.

  • Gegen Ende der Reise parken sie ihren Bulli am Tysfjord und lassen sich spontan auf eine Bootstour bis zum Fjordende einladen. Dort wandern sie auf verborgenen Pfaden ins menschenleere Fjäll, wo sie Elchjägern begegnen. „Die Jahrzehnte verschwimmen, die Zeit löst sich auf“, beschreibt Peter Gebhard die Eindrücke.

Stadt, Land, Fluss und Meer

Doch auch direkt „auf Achse“ bleibt es nicht ohne Abenteuer: Auf jahrtausendealten Straßen geht es durch die Gebirgslandschaften des Balkans, dann durch die italienischen und österreichischen Alpen, durch Deutschland und Tschechien bis in den hohen Norden Europas. In Montenegro bleibt ein Trickdiebstahlversuch eines als Bulli-Fan getarnten Gaunerpärchen ohne Folgen, im niederbayrischen Eining übersetzt der Bulli per Gierseilfähre an das andere Ufer der Donau. Auf der Europastraße 6 nähert sich der Bulli allein auf weiter Flur dem Polarkreis. Bis zum Schluss macht der T1-Klassiker alle Herausforderungen mit: „Nur 36 Stunden später saßen wir auf der Rückfahrt mit einem schweren Getriebeschaden in der Einöde zwischen Kiruna und Narvik fest. Egal, der Buli hatte die 15.000 Kilometer von Instanbul bis zum Nordkap geschafft!“

„Das große Bulli Abenteuer“

Den gesamten Reisebericht hat Peter Gebhard auf über 190 Seiten in einem prächtigen Bildband veröffentlicht. Rund 300 Abbildungen sind enthalten, die unter anderem mittels Drohnentechnik entstanden, um außergewöhnliche Perspektiven zu ermöglichen (Verlag Frederking & Thaler, ISBN 978-3-95416-208-6, 40 Euro). „Eine Reise durch unseren Kontinent ist auch eine Spurensuche, in der es um Heimat und Identität geht,“ schreibt er darin und präsentiert viele humorvolle und nachdenkliche Anekdoten von der Tour durch Europa.


(Bildquellen: © Peter Gebhard/Frederking & Thaler Verlag; Caddy Camper/Carina)

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