Tabeas Marathon-Finish
© Tabea

Geht nicht, gibt’s nicht! Erfolg ist Einstellungssache!

30 Kilo hat Tabea bisher abgenommen. Aus einer fixen Laufidee wurde ein neuer Lebensinhalt: hochjubeln.de. Ramona Richter über Tabeas Weg von Null auf Marathon.

„Das Highlight für mich war die Stadionrunde im gefüllten Olympiastadion: Für mich als Berlinerin ein richtiger Gänsehautmoment. Ich war nach dieser Runde zwar fix und fertig, aber aufgeben, wollte ich nicht.“

Tabea, von Null auf Marathon

Tabea erinnert sich noch genau: „Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich bei einem 5-Kilometer-Lauf mitmachen möchte. Erst war ich skeptisch, weil ich unfit und viel zu dick war. Aber irgendwas in mir sagte: „Los komm, mach es!"

Das war im Jahr 2013. Damals wog Tabea noch 98 Kilo bei einer Körpergröße von 1,65 Metern. Aus dem Nichts fünf Kilometer zu laufen, war also eine extragroße Herausforderung. Sie hatte keine Kondition. Zwar spielte sie in der Vergangenheit Faustball und Fußball, durch dieses Training machte ihr leider eine Operation am Kreuzband 2010 einen Strich. Seitdem war es das mit dem Sport.

Tabea steht dennoch an der Startlinie des 5-Kilometer-Laufs

„Das Highlight für mich war die Stadionrunde im gefüllten Olympiastadion: Für mich als Berlinerin ein richtiger Gänsehautmoment. Ich war nach dieser Runde zwar fix und fertig, aber aufgeben, wollte ich nicht.“

Die einzige Erwartung an sich selbst war es, diesen Lauf durchzuziehen. Immer mehr überholten sie, die Läufer um sie herum wurden weniger. Trotzdem sammelte Tabea fleißig ihre Meter und überquerte schließlich angetrieben vom Gebrüll einiger Mädels die Ziellinie.

„Dieses Erlebnis hat mich so emotional aufgewühlt und mir gleichzeitig Freude geschenkt, dass ich danach total beflügelt war. Ich musste am nächsten Tag gleich wieder loslaufen.“

Seither ist Laufen aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken

„Es gehört mittlerweile einfach zu meinem Leben dazu. Genau wie essen, trinken und zur Toilette gehen. Ich brauche es einfach. Ich verreise nie, ohne meine Laufschuhe. Selbst bei einem Wochenendtrip sind sie dabei.“

Unter dem Namen „Hochjubeln“ schreibt sie auf ihrem Blog und postet auf Instagram offen und ehrlich über ihre Laufleidenschaft, die sie regelmäßig hochjubeln lässt.

Ich habe mich weiterhin dick gesehen. Dass ich Größe M oder sogar S trug, hat mein Gehirn lange nicht verstanden. Im Spiegel sah ich eine dicke Tabea.

Tabea, nahm bisher 30 Kilo ab

Von Null auf Hundert – Laufen als Wendepunkt

„Zusammen mit den Mädels, die ich auf dem Event kennenlernen durfte, gab es dann zwei bis drei Mal die Woche Lauftreffs. Es entwickelten sich Freundschaften, die ich heute nicht mehr missen möchte. Ich hatte einfach Spaß am Kontakt mit den Leuten und am Laufen und freute mich über jeden kleinen Erfolg. Ich habe mich mit nichts und niemanden gemessen. Ich bin einfach nur gelaufen. Ohne Druck.“

Irgendwann fing sie dann doch an, konkrete Ziele fürs Laufen zu definieren und zu verfolgen. Parallel stellte sie ihre Ernährung um. Stolze 30 Kilogramm nahm Tabea bis heute ab.

30 Kilo abnehmen, war alles andere als leicht

„Die ersten zehn Kilos purzelten ohne große Anstrengung, aber danach war es ein Kampf, bei dem ich viel geweint, manchmal auch gelacht, aber vor allem viel geschwitzt habe. Ein Kampf, bei dem ich mich aber auch neu kennenlernen durfte.

“Ihr Körper hat sich zwar verändert, ihre innere Einstellung und ihr Selbstbild kamen allerdings nicht so schnell hinterher: „Ich habe mich weiterhin dick gesehen. Dass ich Größe M oder sogar S trug, hat mein Gehirn lange nicht verstanden. Im Spiegel sah ich eine dicke Tabea.“

Selbst- und Fremdbild sind nach wie vor nicht immer deckungsgleich. Tabea gibt offen zu, dass sie damals unter einer Essstörung litt, mit deren Tücken sie auch heute noch zu kämpfen hat. Sie führt einen ständigen Kampf gegen den „Zuckerteufel“, wie sie das Verlangen nach Süßigkeiten und Junk Food nennt, der auf ihrer Schulter sitzt und sie schwachmachen möchte.

„Schokolade, Eis aber auch fettiges Essen sind Dinge, die ich am liebsten mehrfach täglich und in unglaublichen Mengen essen möchte - und kann. Der häufigste Satz, der von mir zu hören ist, ist noch immer: 'Ab Morgen Diät!' oder zumindest wieder gesünder essen. In den letzten Monaten zum Beispiel war ich im nicht enden wollenden Renovierungs- und Umzugsstress und mir fehlte einfach eine feste Basis. Sofort verfiel ich in alte Ernährungs- bzw. Fressmuster zurück.“

Zwar hält sich der Jojo-Effekt bei ihr dank der regelmäßigen Bewegung im Rahmen, dennoch ärgert sie sich oft über sich, nicht einfach konsequent bleiben zu können.

An Zielen festhalten, auch wenn es auf dem Weg dorthin Rückschläge gibt!

„Ich habe mich früher nicht mit mir auseinandergesetzt und somit auch nie geglaubt, dass ich es schaffen kann, an meinem Gewicht etwas zu ändern. Nun weiß ich, wenn ich etwas will, dann schaffe ich es auch.“

Ein Ziel von Tabea war die Teilnahme am Berlin Marathon 2016. Doch ihr operiertes Knie meldete sich pünktlich zu Beginn des Marathontrainings wieder mit Schmerzen zurück.

„Erst habe ich es ignoriert und gedacht, das ist bestimmt Aufregung. Aber es wurde immer schlimmer, bis ich erst nicht mehr laufen und später auch nicht mal mehr schmerzfrei gehen konnte. Ich saß bei insgesamt fünf Orthopäden und Spezialisten und bat heulend um Hilfe. Ich war sogar bei zwei Physiotherapeuten, doch es wurde einfach nicht besser. Zusätzlich Kohlwickel, Blackroll, Reizstrom – nichts half.“

Es gab auch keine wirkliche Diagnose. Das MRT zeigte nichts Auffälliges. Eineinhalb Monate nach dem Marathon, den sie nur mit Tränen in den Augen vom Rand aus miterleben durfte, konnte sie langsam wieder mit dem Training anfangen.

Ich habe die ganze Kraft meiner Familie aufgesaugt. Dank meiner Schwester, die sich in meinen Arm einhakte und einige Meter mitlief, konnte ich noch einmal extra Kräfte mobilisieren, die mich weiterlaufen ließen ...

Tabea, mit einem 12-Wochenplan ins Ziel

Neues Jahr, altes Ziel: Der 44. BMW Berlin Marathon

Tabea trainierte nach dem 12-Wochenplan aus dem Ratgeber „Das große Buch vom Marathon“. Trotz einiger privater und körperlicher Stolpersteine schaffte sie es, das Training durchzuziehen und fleißig ihre 'Longruns' abzuspulen.

Am 24. September stand sie dann pünktlich um 9:30 Uhr an der Startlinie des Berlin Marathons.

„Die Zeit war mir egal. Ich bin einfach losgelaufen. Ab Kilometer 21 hat der Kopf dann realisiert, dass er dieselbe Strecke noch einmal laufen muss und dementsprechend protestiert: Ich verspürte ungewöhnlich großen Durst, mein Arm wurde taub, mein linkes Bein ließ sich nicht richtig steuern, mein Kopf tat weh und mir wurde schlecht und schwindelig. Ich dachte, ich muss verrückt sein, dafür habe ich tatsächlich Geld ausgegeben!“

Aufgeben war aber auch dieses Mal keine Option für Tabea.

„Zwischen Kilometer 22-32 habe ich oft an mir gezweifelt. Es war ein ständiger Kampf zwischen meinem Kopf, der weitermachen wollte und meinem Körper, der keine Grenzen überschreiten wollte.“

Motiviert hat sie besonders auch der Gedanke an ihre Familie, die bei Kilometer 31 schon auf sie wartete.

„Ich habe die ganze Kraft meiner Familie aufgesaugt. Dank meiner Schwester, die sich in meinen Arm einhakte und einige Meter mitlief, konnte ich noch einmal extra Kräfte mobilisieren, die mich weiterlaufen ließen ...“

... durchs Brandenburger Tor und ins Ziel!

Ich bin 42 Kilometer gelaufen! Und stolz wie Bolle, diese Medaille zu haben! Ich bin jetzt einfach nur glücklich. Viele haben nicht geglaubt, dass ich es schaffe. Es hat sogar jemand 100 Euro gegen mich gesetzt. Diese 100 Euro hängen jetzt an meinem Kühlschrank!

Tabea, Marathon-Finisher

Du lernst einen neuen Menschen in dir kennen

„Ich habe heute ein ganz anderes Gefühl für mich selbst. Früher habe ich alles an mir abblitzen lassen. Nach dem Motto: Wenn ich nicht darüber nachdenke, ist es auch nicht da! Aber mittlerweile nehme ich mich ganz anders wahr. Denken tue ich natürlich weiterhin, aber dann einfach positiv!“

Tabea hat gelernt, es ist alles eine Frage der Einstellung. Der größte Zweifler ist nur man selbst. Entscheidend ist, wie sie sich sieht und was sie aus sich macht! Es ist nicht wichtig, was andere denken. Wichtiger ist, was sie von ihrem Leben erwartet.

Ihre Botschaft an dich:

„Glaube an dich! Wenn du es nicht tust, wer soll es sonst tun? Lass dich nicht von anderen beeinflussen und von deinem Weg abbringen. Setze dir ein Ziel, stelle dir vor, wie du es erreichst und arbeite stets daran - dann kannst du alles schaffen!“

Tabea, hat ihre Zweifler überzeugt

Über Ramona Richter


Ramona Richter ist sprichwörtlich als „Rasende Reporterin“ bei Laufevents mit Kamera, Diktiergerät und Laufschuhen dabei. An der Startlinie als passionierte Asics-Frontrunnerin, im Ziel mit der Laufelite vor der Kamera. Die studierte Bewegungswissenschaftlerin ist sportlich vielseitig aktiv und lebt im Norden von Hamburg.