© Kai Markus Xiong

Grenzenlos, aber nicht ohne Hindernisse

Ein Ultra-Lauf bis Schanghai! Doch nach 11.000 Kilometern bricht sich Kai Markus Xiang die Füße. Im Interview erzählt er, warum er dennoch nicht gescheitert ist.

Der Plan war sportlich und mehr als ehrgeizig, aber vor allem als kreative Kulturbrücke gedacht: Ein Lauf von Hamburg nach Schanghai. Nach monatelanger Vorbereitung startet Kai Markus Xiang im März vor der Elbphilarmonie. Seine verrückte Idee hat sich herumgesprochen: Das deutsche und chinesische Fernsehen berichten von seinem Ultra-Lauf und Kai nutzt die zahlreichen Gelegenheiten, auf das Aufmerksam zu machen, was ihm persönlich so wichtig ist: die Völkerverständigung.

Als er der #BeatYesterday-Redaktion, im Juni von seinen Eindrücken und Erfahrungen berichtet, weilt er gerade in Usbekistan und hat bereits zahlreiche Ländergrenzen hinter sich gelassen: Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan. In der Redaktion verfolgen wir seinen Weg weiter, täglich berichtet er auch über seine Social-Media-Kanäle (Facebook/Instagram).

Wir wollen ja mit dem Projekt auch ein Vorbild sein und zeigen, dass schwierige Situationen lösbar sind.

Kai Markus Xiong

In Hamburg klingelt das Telefon

Als sich Kai Markus in China beide Füße bricht, ausgerechnet nach 11.000 Kilometern und damit verhältnismäßig knapp vor dem Ziel, verbreitet sich die Worst-Case-Nachricht schnell. Viele Medien vermelden nach Tag 202 des Laufprojekts bereits die Diagnose: Beide Fersenknochen sind gebrochen. „Es war kein Ermüdungsbruch. Ich bin Serpentinen heruntergelaufen und wollte an einer schmalen Straße mit vielen Autos zur Seite hüpfen. Ich stand eigentlich schon wieder sicher, bin aber doch in einen Betonwassergraben abgerutscht und unglücklich auf beiden Fersen gelandet“, schildert uns der Unglücksrabe rückblickend im Interview. Als dafür wenige Wochen nach dem Unfall in Hamburg das Telefon klingelt - eine ungewöhnlich lange Ziffernfolge im Display ließ bereits den Anrufer erahnen - hätte sich niemand in unserer Redaktion über einen resignierten und frustrierten Kai Markus gewundert. Stattdessen am anderen Ende der Leitung: Optimismus und gute Laune!

Kai Markus ruft aus einem Militärkrankenhaus in Wuhan an. Die Region Huwei, in der sich der Unfall ereignete, hat er bereits wieder verlassen. Auch Kumpel Victor, der die Reise im VW Käfer begleitete, war zwischenzeitlich glücklos: Sein charmantes Gefährt hat mit einem Motorschaden den Geist aufgegeben. Zusammen haben die beiden nun einen neuen Plan gefasst, wie Kai Markus erklärt: „Wir mussten eine Entscheidung treffen, ob wir abbrechen und uns eingestehen: Schanghai haben wir nicht geschafft! Das wäre uns aber schwer gefallen - auch wegen der tollen Unterstützung, die wir durch die Fans und Sponsoren erfahren haben. Wir wollen ja mit dem Projekt auch ein Vorbild sein und zeigen, dass schwierige Situationen lösbar sind“.

Vorher ist Victor gefahren und ich bin gelaufen. Jetzt läuft Victor und ich fahre – im Rollstuhl durchs Krankenhaus.

Kai Markus Xiong

Rollentausch mit einem Käfer

„Nur 1.200 Kilometer vor dem Ziel kann man dann ruhig eine unorthodoxe Lösung finden“, erzählt Kai Markus erfinderisch. Und so haben Victor und er kurzerhand die Rollen getauscht: „Vorher ist Victor gefahren und ich bin gelaufen. Jetzt läuft Victor und ich fahre – im Rollstuhl durchs Krankenhaus.“ Damit das tatsächlich klappt, mussten die beiden allerdings schon ein wenig am Restprogramm schrauben: Kai Markus wechselt die Krankenhäuser Richtung Schanghai, der ungeübte Läufer Victor absolviert täglich 25 Kilometer in der jeweiligen Region. 650 Kilometer hat er seit dem Unfall bereits geschafft. Das große Ziel wird wohl doch erreicht, mit einem auf die Gegebenheiten angepassten Plan.

„Ich sehe das Projekt nicht als gescheitert an, schon gar nicht den Aspekt des Kulturaustauschs“, sagt Kai Markus und witzelt hinterher: „Schließlich kann ich jetzt auch noch über chinesische Krankenhäuser berichten.“ Davon erzählt er dann auch tatsächlich voller Anerkennung: „Es gibt hier für mich professionelle Unterstützung und einen riesigen Ehrgeiz der Ärzte“. Und auch andere Patienten haben von dem prominenten Läufer Wind bekommen: „Hier ist trotz Sprachbarriere eine Gemeinschaft entstanden. Wenn ich mit dem Rollstuhl hin und her fahre, um mich fit zu halten, fahren jeden Tag fünf oder sechs andere Rollstuhlfahrer hinter mir her.“

Der andere Leistungssport

Die Rollstuhlfahrer hat Kai Markus durch seinen Unfall ohnehin hoch zu schätzen und zu respektieren gelernt: „Ich weiß ja, ich komm wieder raus. Ich bin zweimal in der Bahn gewesen mit dem Rollstuhl, habe keine behindertengerechte Toilette und kenne jetzt die Hürden. Wenn man sieht, was man mit den Dingern für eine Kraft verbraucht, muss man sagen: Das sind alles Leistungssportler, die ihr Leben damit meistern!“

Aktuell wird der letzte Projekttag geplant, er soll am 15. Dezember stattfinden. Beim Finishing-Event in Schanghai wieder auf den eigenen Füßen stehen zu können, das ist die Hoffnung von Kai Markus. Aber zur Not würde er auch über die Ziellinie krabbeln, sagt er. Wir trauen es ihm auf jeden Fall zu

Watchface als Motivation


Neben dem großen Ziel Schanghai gab es außerdem auch noch einen besonderen Höhepunkt auf der Strecke für Kai Markus: Yichang in der Provinz Hubei ist der Heimatort seiner aus China stammenden Frau. Seine Multisportuhr nutzt er daher nicht nur zur Performance-Analyse: 11.000 Kilometer lang hat ihn ein individuelles Watchface auf seiner fenix3 motiviert: Ein Bild seiner Familie auf dem Ziffernblatt. Solche individuellen Watchfaces lassen sich mit der kostenlosen Smartphone-App “Face It” für Garmin-Modell erstellen. Einen Überblick über die aktuellsten Sportuhren von Garmin findest du hier.

Über Kai Markus Xiong


Kai Markus (44) ist gelernter Wirtschaftsfachmann, selbstständiger Unternehmensberater und seit seiner Jugend begeisterter Ultraläufer. Seit 1998 ist er privat und beruflich mit China verbunden. Seinen großen Lauf startete er am 12. März in Hamburg.


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