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Hand gebrochen und trotzdem Ironman

Familie, zwei Hunde, Schichtdienst. Und jetzt hat Marcel auch noch seine Ironman-Bestmarke geknackt – trotz gebrochener Hand. Wie macht der Mann das bloß?

Sport gehört schon immer zum Leben

Marcel Martens liebt es, draußen in der Natur zu sein, sich zu bewegen und dabei jeden Muskel zu spüren. Mit dem Mountainbike durch den Wald brettern, beim Canyoning durchs Wildwasser jagen, die Streif hochlaufen, sich beim Tough Guy durch Schlamm und Hindernisse kämpfen oder beim Ultratrail die Zugspitze umrunden – seine körperlichen Grenzen zu testen macht Marcel Martens einfach Spaß.

Familie und Sport

Mindestens genauso viel Spaß macht Marcel seine Familie. Er und seine Frau haben eine kleine Tochter und freuen sich aufs zweite Kind, das Ende des Jahres zur Welt kommt. Außerdem gehören noch zwei Hunde zur Familie. Für Marcel Martens passt das alles bestens zusammen. Sicherlich auch, weil seine Frau ihn beim Sport und bei seinen Wettkämpfen unterstützt. Die beiden gehen manchmal zusammen laufen oder Rad fahren. Und wann immer es geht, steht Marcels Frau mit der kleinen Tochter an der Wettkampf-Strecke und beide feuern ihn lautstark an. Die beste Motivation, die sich ein Papa wünschen kann.

Laufen mit Kind, Karre und Hunden

Wenn Marcel seine Tochter vom Kindergarten abholt, läuft er auch mal 4 km mit der leeren Kinderkarre und den Hunden zum Kindergarten und dann 2 km mit Töchterchen im Buggy zurück. Beim Bergwandern kommt die Kleine in die Kraxe. 1.000 Höhenmeter hat Marcel sie schon auf dem Rücken den Berg hochgetragen und etliche Kilometer im Fahrradhänger gezogen: alles familientaugliche Trainingsmöglichkeiten. Aber auch große Läufe passen ins Familienleben. Wenn die Familie im Auto einen Ausflug macht, fährt Marcels Frau mit Kind und Hunden im Auto zurück – und Marcel läuft. Laufschuhe hat er ohnehin meist an. 

Wie passen Job, Familie und Sport unter einen Hut?

Als Polizeioberkommissar im Schichtdienst, Sportjunkie und Familienmensch wird Zeitmanagement für Marcel großgeschrieben. „Job, Sport und Familienleben passen super zusammen.“ sagt Marcel, „Man muss es einfach machen. Es gibt so viele Möglichkeiten, aktiv zu sein: Lauftreffs finden oder Freunde animieren, das Auto in der Garage lassen und mit Laufschuhen, Roller oder Rad zur Arbeit. Unter meinen Hut kann ich richtig viel drunterstopfen. Und es macht auch richtig viel Spaß.“

Erst der Unfall. Dann der Ironman.

Ende Februar hat Marcel allerdings auch Pech. Als er mit dem Rad auf der Straße fährt, übersieht ihn eine Autofahrerin und fährt ihn um. Er fliegt über die Motorhaube und bricht sich den rechten Daumen und das rechte Handgelenk. Seine linke Schulter ist geprellt. Er hat ein Schleudertrauma. Vier Tage ist er im Krankenhaus. Sechs Wochen Gips für den operierten rechten Daumen und das rechte Handgelenk. Die linke Schulter so stark geprellt, dass er seinen linken Arm 3 Wochen lang nicht anheben kann. Eine lange „armlose“ Zeit für Marcel, die er ungewohnt inaktiv verbringen muss. Vorlesen und mit der Tochter spielen geht aber auch mit Gips. Sein Ziel am 3. Juli den Ironman in Frankfurt zu laufen, gibt er keine Sekunde lang auf.

Raus aus dem Gips. Ran an den Ironman.

Langes Auf-dem-Sofa-Liegen liegt Marcel einfach nicht. Er will wieder fit werden und arbeitet täglich auf sein Ziel hin: den Ironman. Marcel zweifelt nie daran, dass er diese Langdistanz schaffen wird. Seine Frau und seine Tochter unterstützen ihn – indem sie an ihn glauben. „Du hast das und das und das geschafft.“, sagt ihm seine Frau, „Den Ironman schaffst Du auch.“ Ende April kommt der Gips vom Daumen und Marcel zurück auf die Laufstrecke. Zwar steckt der Daumen noch in einer Schiene, aber das hält Marcel nicht davon ab, einen Halbmarathon zu laufen – in einer sehr guten Zeit von 1:34 h.

Moderates Training im Urlaub

Einen Monat vor dem Ironman ziehen Athleten normalerweise ein diszipliniertes Trainingsprogramm durch. Marcel Martens fährt mit der Familie in den Urlaub nach Kroatien, zum Kap Kamenjak und den Plitvicer Seen. Im Urlaub trainiert er moderat. Durch den Unfall funktionieren seine Trainingspläne ohnehin nicht mehr. Er macht ein paar Läufe bis zu 15 km und ein paar 30-km-Touren mit dem Rad. Schwimmen, seine schwächste Disziplin, trainiert er bei einer Runde im Millstätter See.

Ironman in Bestzeit

Rechtzeitig zum Ironman ist Marcel zurück in Deutschland. Und am Start. Vielleicht gerade weil er so unaufgeregt ist und wenig erwartet, schwimmt, radelt und läuft alles für Marcel einfach großartig. Er schwimmt 3,8 km durch den Langener Waldsee. Er fährt 180 km mit dem Rad. Und er läuft die Marathon-Distanz von 42 km. Seine Frau und seine Tochter stehen an der Laufstrecke und feuern ihn an. Als er seine Familie sieht, geht es Marcel super. Er weiß, er wird den Ironman schaffen. Nach 10 Stunden, 17 Minuten und 29 Sekunden läuft er ins Ziel ein. Er ist über 1 Stunde besser als bei seiner ersten Langdistanz. Er hat den Platz 610 von rund 3.000 Startern erreicht. Trotz Unfall ist Marcel den Ironman in seiner persönlichen Bestzeit gelaufen. Im Ziel nimmt er seine Tochter auf den Arm und ist einfach nur wahnsinnig glücklich und stolz.

Sturheit und Gelassenheit sind eine gute Mischung

Wenn man Marcel fragt, woher er seine Kraft und seine Motivation nimmt, lächelt er. „Meine Frau würde meine Sturheit nicht als meine beste Eigenschaft bezeichnen. Aber im Wettkampf hilft sie mir. Wenn ich mir etwas vornehme, ziehe ich es einfach durch. Seine ganz persönliche #BeatYesterday-Einstellung hat er dabei nicht zuletzt durch seine Tochter bekommen: „Von ihr habe ich Gelassenheit gelernt. Und mich, auch wenn etwas nicht wie geplant läuft, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, sondern mein Ziel vor Augen zu behalten und einfach weiterzumachen.“

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